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Christuskirche als Klang- und Lichtkörper
Die erste Woche der Ton- und Lichtkunst in der Christuskirche fand vom 23. bis 31. Januar 2010 statt. In dieser Zeit verwandelten die Künstler Nikola Dicke und Gero Koenig das Kirchengebäude mit Konzertperformances und Lichtinstallationen in einen kreativen Klang- und Lichtkörper. Die Eindrücke waren vielfältig. Wer sich von außen der Christuskirche näherte, fand sie in ein Bilderbuch verwandelt. An den Mauern, am Turm, an der sonst kahlen Wand über dem Garten erzählten Lichtzeichnungen eine Geschichte, die nur im Dunkeln sichtbar wurde. Im Inneren erwartete die Besucher zunächst Glühweingeruch - bei der klirrenden Kälte durchaus willkommen. Dann wurden auch drinnen die Lichter ausgeschaltet, und der Chordeograph - ein futuristisch aussehendes Saiteninstrument, das man hören muss, weil es sich kaum beschreiben lässt - erfüllte den Kirchensaal mit seinen komplexen Klanggewittern und Laserstrahlen.
Die Woche der Ton- und Lichtkunst - das kann man wohl so sagen - hat die Christuskirche vorübergehend in einen Ausnahmezustand versetzt und viele neugierig gemacht. Die Besucherinnen und Besucher erlebten während der insgesamt drei Konzerte Gero Koenigs einen Künstler, der mit seinem Chordeographen ein ganzes Orchester ersetzte und das Publikum in Klangwelten entführte, die in dieser Form und Dichte wohl kein anderes Instrument erzeugt.
Die Laserstrahlen, eine Art Notenschrift, sorgten für zusätzliche Akzente. Den Chordeograph hat Gero Koenig (r.) in jahrelanger Entwicklungsarbeit selbst gebaut. Seine Musik setzt herkömmliche Hörgewohnheiten systematisch außer Kraft - eine Eigenschaft, die spätestens seit Karlheinz Stockhausen in Köln Tradition hat und die in der Christuskirche - neben der Kunst von Nikola Dicke (l.) - eindrucksvoll zur Geltung kam.
Nikola Dickes Bilderzyklus war inspiriert von Matthias Claudius. Die „gold’nen Sternlein“, die in seinem Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ am Himmel prangen, fielen in den Rock eines Mädchens, das auf dem Turm der Kirche zu sehen war und an das Märchen vom „Sterntaler“ erinnerten. Dem standen an anderer Stelle Blut saugende Fledermäuse und allerlei sonstige Dämonen gegenüber und schließlich ein Mann, der beim Griff nach den Sternen eine himmelhohe Treppe herabstürzt. Die meisten dieser flüchtigen Zeichnungen waren - ganz wie die Kompositionen Gero Koenigs - zwiespältig, mehrdeutig und ließen viele Interpretationen und Ausgänge zu. Für die Geschichte der Christuskirche gilt das Gleiche. Insofern war sie ein passender Ort für diese Kunstaktion und wird, so ist zu hoffen, ähnliche Veranstaltungen auch noch in Zukunft erleben. Text: Lorenz Töpperwien Fotos: Birgit Schnieders/Jörg Fleischer
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